Das Wichtigste in Kürze

  • Das wissenschaftliche Sprachplanungs-Projekt SROKA und das Sprachprojekt ZORJA kämpfen dafür, dass Sorbisch wieder Alltagssprache wird in der Lausitz.
  • Im SROKA-Projekt starten jetzt die Werkstätten, in denen die Community gemeinsam mit Menschen außerhalb dieses Umfeldes Maßnahmen erarbeiten.
  • Die, die Sorbisch neu erlernen, finden über die Sprache zur Kultur und zu ihren Wurzeln.

Niedersorbisch soll wieder Alltagssprache werden
Das ist die Vision des ZORJA-Sprachprojektes. Es soll wieder überall zu hören sein – in Familien, Vereinen oder auf dem Spielplatz. Bis zum Jahr 2050 möchte ZORJA mit dem Vollzeit-Programm 1.000 neue Sprecherinnen und Sprecher hervorbringen und so die Sprache immer weiterverbreiten. Damit es wieder normal wird, sorbisch zu sprechen.

Bei Saskia Bugajowa stellt sich dieser Effekt schon ein. Mann und Kinder lernen fleißig mit. So manches Gespräch funktioniert schon auf Sorbisch. Saskias Eltern sprechen wieder häufiger sorbisch in der Familie und unterstützen so den Lernprozess. Sogar außerhalb des Familienumfeldes merkt Saskia, dass die Überwindung kleiner geworden ist, sorbisch zu sprechen. Bei Muttersprachlern spürt sie noch den Druck, keinen Fehler machen zu wollen. Der ist aber oft unbegründet, sagt sie. Die Menschen freuen sich, dass es auch junge Leute gibt, die die Sprache wieder lernen.

Das Sprachplanungs-Projekt SROKA plant den großen Wurf
Ehrenamtlich engagiert sich Saskia Bugajowa in der Strategiegruppe des Sprachplanungs-Projektes SROKA, das genauso wie das ZORJA-Sprachprojekt daran arbeitet, Sorbisch wieder Alltag werden zu lassen – wenn auch mit einem breiteren Ansatz. Von 2023 bis 2025 gab es hier eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme aller Versuche, die in der Vergangenheit bereits unternommen wurden, um die sorbische Sprache zu revitalisieren. Aber auch andere Revitalisierungsbemühungen in der Welt waren Teil der wissenschaftlichen Analyse.

Seit Mitte 2025 läuft nun der Beteiligungsprozess, in dem in Werkstätten und in einer Strategiegruppe konkrete Maßnahmen entwickelt werden sollen – gemeinsam mit der sorbischen Community, aber auch mit Menschen ohne engen Bezug dazu. Sie bringen den wichtigen Blick von außen mit. Eine konkrete Frage lautet zum Beispiel, was Familien genau brauchen, um im Alltag sorbisch zu sprechen. Bis Ende 2027 müssen diese Maßnahmen vorliegen, denn ab 2028 geht es schon in die Umsetzung und Verstetigung der Sprachplanung. Bis 2031 läuft das Projekt. Dann sollen Strukturen steh‘n, die die Revitalisierung der sorbischen Sprache weitertragen.

Die Vogelhochzeit ist eine der typisch sorbischen Traditionen
Der Projektname SROKA bedeutet Elster. Sie ist ein Symbolvogel in der sorbischen Kultur und Teil der Vogelhochzeit. Am 25. Januar heiratet die Elster den Raben. Die Hochzeitsgemeinschaft dankt den Menschen für die Winterfütterung. Symbolisch stellen die Menschen am Vorabend einen Teller mit Vogelfutter vor das Fenster. Dieser ist am nächsten Morgen zum Beispiel mit kleinen Küchlein in Vogelform gefüllt. Das sind die typischen Sroki, die fast überall in der Lausitz am 25. Januar zu haben sind.

Für Saskia Bugajowa fühlt sich die sorbische Sprache nach Zuhause an
Wie viele kennt sie die Sprache aus ihrer Kindheit. Bei ihr waren es die Oma und die Uroma, die mit ihr sorbisch gesprochen haben. Genau diesen Dialekt ihres Heimatortes lernt sie jetzt auch im ZORJA-Sprachprojekt. Weil die sorbische Sprache wieder Alltag werden soll, ist das Programm sehr darauf ausgerichtet, die verschiedenen Dialekte zu vermitteln. Saskia stammt aus dem abgebaggerten Dorf Horno. Durch die sorbische Sprache findet sie nun Stück für Stück zu ihren Wurzeln zurück, die sie auch durch das Abbaggern verloren hat. Sowohl durch das intensive Lernen der Sprache als auch durch ihr Engagement im Sprachplanungs-Projekt möchte sie für ihre Kinder etwas schaffen, wo sie später anknüpfen und die Sprache anwenden können.

Saskia Bugajowa war zu Gast bei „Gesprächsbereit“ – einem Veranstaltungsformat unseres Projektes „Menschen machen Kultur“. Demnächst könnt ihr die Veranstaltung als Podcast nachhören.

Die Gästinnen bei „Gesprächsbereit – SROKA: Sorbische Sprache neu entdecken“ in Cottbus (von links: Sophie Rädel (Gästin), Franziska Stölzel (Moderation) und Saskia Bugajowa (Gästin)). Foto: Magdalena Filser

Links

Sprachplanungsprojekt SROKA: https://sroka-plan.org/de.html

Sprachprojekt ZORJA: https://zorja.org/

Sorbischer Veranstaltungskalender: https://kalender.sorben.com/

Sorbische Übersetzungs-App: https://sotra.app/

Zurück nach oben