Strukturwandel zum Spielen
Junge Menschen begreifen die Welt im Spiel und lernen so, sich darin zurechtzufinden und sie zu gestalten. Die UN-Kinderrechtskonvention verankert sogar das „Recht auf Spiel“ – weil es hilft, Identifikation und Zugehörigkeit zu entwickeln.
Junge Menschen in der Lausitz wachsen mitten im Strukturwandel auf. Wie gelingt es, dass sie ihn verstehen und zu ihrem Projekt machen?
Diese Frage treibt die Mitarbeitenden in unserem Knotenpunkt für Kinder- und Jugendbeteiligung (KiJuBB) in Senftenberg jeden Tag an. In den nun dreieinhalb Jahren als Knotenpunkt innerhalb der Bürgerregion Lausitz haben sie viele Formate getestet, Strategien erprobt und Orte aufgesucht, an denen sie mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen können.
Das Senftenberger Kinderfest stand unter dem Motto „Starke Kinder – starke Zukunft“ und war wieder so eine Gelegenheit, der jungen Generation zuzuhören und zu verstehen, wie sie sich am besten beteiligen lässt. In die Auswahl ihrer Formate lassen Paul Fichtner, Claudia Kontschak und Janin Viere vom KiJuBB inzwischen viel Erfahrung einfließen.
Die Senftenberger Kinderorte-Karte
Sie zeigt einen Stadtplan. Rings herum sind Fotos von Orten platziert. Die Kinder und Jugendlichen können diese und selbst gewählte Orte nun in der Karte suchen und bepunkten. Mit einem blauen Klebepunkt für einen Ort, den sie eher meiden. Und mit einem roten Klebepunkt für einen Lieblingsort. Die Kinder setzen sich mit ihrer Stadt auseinander und dürfen klar benennen, was ihnen gefällt und was nicht.
Diese sehr einfache Möglichkeit zeigt, wo die Stadt Senftenberg ansetzen kann, um die Lebensqualität junger Menschen zu steigern. Gut fortgesetzt, entdecken junge Menschen sogar Gestaltungsmöglichkeiten in ihrer unmittelbaren Umgebung. Das sorgt für Selbstwirksamkeit und erhöht die Bindung an die Region. Zu den Senftenberger Lieblingsorten zählten übrigens der Spielplatz am Senftenberger See und die Eishalle.
Das Strukturwandel-Glücksrad der Lausitz-Kampagne „Krasse Lausitz“
Hier geht es um Spiel und Information. Ein Glücksrad kennt jeder. Dieses hier enthält Fragen zur Lausitz und zu aktuellen Leuchtturm-Projekten, ohne den Begriff Strukturwandel zu benennen. Denn eines ist in den vergangenen Jahren klar geworden: Viele junge Menschen verstehen den Begriff nicht, weil ihnen der Bezug dazu fehlt. Es ist eine Generation, deren Elternhäuser nur noch wenig mit Berufen in der Kohle zu tun haben. Der Begriff spricht vom Wandel einer Struktur. Aber was genau ist damit gemeint?
Es ist also vor allem sinnvoll, junge Menschen über die Zukunft in ihrer Heimat zu informieren und ihnen zu zeigen, wo ihr Platz sein kann. Ein bewährtes Mittel ist der Gamification-Ansatz. Das zeigte übrigens auch die Teenie-Party „Krasse Lausitz – Krasse Party“ im Cottbuser Gladhouse.
Die Kooperations-Karre
Neben fachlichen Fähigkeiten in Zukunftstechnologien verlangt der Strukturwandel vor allem die Fähigkeit, kooperieren zu können und zu wollen. Diese Anforderung setzte das KiJuBB beim Kinderfest in Senftenberg mit der „Kooperations-Karre“ um. Zwei kleine Fahrzeuge stehen sich gegenüber. Zwischen ihnen befindet sich eine Art Labyrinth. Sie gelangen nur auf die jeweils andere Seite, wenn die Fahrer:innen kooperieren. Sie müssen die notwendigen Schritte miteinander absprechen und sich einigen. Denn hier kommen sie nur gemeinsam an ihre Ziele.
Auf den ersten Blick liegen Interessen manchmal weit auseinander. Durch Vernetzung und Austausch entsteht ein klareres Bild. Gemeinsame Ziele können sichtbar werden. Diese in Kooperation zu erreichen, kann auch bedeuten, die eigenen Interessen etwas abzuschwächen.
Informieren, beteiligen und fit machen
Die Formate „Kinderorte-Karte“, „Strukturwandel-Glücksrad“ und „Kooperations-Karre“ sind sehr niedrigschwellige Möglichkeiten, junge Menschen zu informieren, zu beteiligen und fit zu machen – über und für die Dinge, die da kommen. In diesem Fall stärkt das Spielen die Identifikation mit der Heimat. Die Kinder verbinden positive Informationen und Erfahrungen mit dem Wandel, den sie vielleicht wahrnehmen. Im besten Fall entsteht gar nicht erst das Gefühl, die Region wegen mangelnder Chancen verlassen zu wollen.
Wenn du in deiner Kommune Kinder- und Jugendbeteiligung anstoßen oder weiterentwickeln möchtest, wende dich gern an das Team vom KiJuBB oder informiere dich im Blog über verschiedene Projekte oder Formate. Dazu einfach im Filter das KiJuBB-Team auswählen.
Wenn du nur spielen möchtest, empfehlen wir dir unseren mobilen Escape-Room für die Lausitz.