Community Organizing – Was ist das eigentlich? Und wie können wir es im ländlichen Raum nutzen, um Gemeinschaft und Beteiligung voran zu bringen? Zu diesem Thema bot unsere Veranstaltungsreihe „Gesprächsbereit“ anschauliche Einblicke in dieses Format.

Unter anderem stand Charlotte Campbell von der SPREEAKADEMIE Rede und Antwort. Sie hat Community Organizing in Tansania und Ghana gelernt und angewendet und später auch in der Metropole Berlin verschiedene Projekte begleitet. Community Organizing auf dem Land – in der dünn besiedelten Lausitz – bot wieder andere Herausforderungen.

Die Frage ist immer die gleiche

„Welche Beziehungen hast du und wie kannst du sie für deine Sache nutzen?“ Community Organizing gibt Antworten darauf, wie sich Beziehungen langfristig knüpfen lassen, ohne nur auf ein konkretes Projekt beschränkt zu sein. Und es hilft, Akteure miteinander zu vernetzen, damit sie von der Gemeinschaft profitieren, für die sie sich einbringen. Das konkrete Projekt, in dem Charlotte Campbell in der Lausitz mit diesem Ansatz arbeitete, heißt PartizipNatur. Darin planen Menschen in den Ortsteilen von Vetschau die ökologische Aufwertung und Verschönerung der gemeindeeigenen Grünflächen und setzen ihre Pläne später auch um. Die Initiatorin des dreijährigen Projektes ist die SPREEAKADEMIE. Die SPREEAKADEMIE war bereits vorher durch andere Projekte in der Region aktiv, hat wichtige Beziehungen geknüpft und durch Zusammenarbeit eine Gemeinschaft geformt. Daher hat die Initiative für das Projekt PartizipNatur ihren Ursprung in Naundorf.

Eigentlich funktioniert das klassische Organizing so, dass aus den Beziehungen heraus Themen entstehen, für die sich die Menschen gemeinschaftlich einsetzen. Es ist ein Konzept, das über einen längeren Zeitraum Gemeinschaften fördert, die aus einer persönlichen Betroffenheit heraus Veränderungen für ihre direkte Umgebung anstreben. Dabei spielen auch Persönlichkeitsentwicklung und Empowerment eine große Rolle, indem Menschen durch das Nutzen von Beziehungen positive Erfahrungen machen und je nach Erfolg auch Selbstwirksamkeit erleben.

Bei PartizipNatur war das Thema schon da

Allerdings musste die Gemeinschaft noch her. Bei der ökologischen Aufwertung von Grünflächen und beim Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung fehlt vielen Menschen zunächst das Gefühl der eigenen Betroffenheit. Warum sollte man sich um Wiesen, Wegränder oder Dorfplätze kümmern, wenn sie doch „einfach da“ sind? Doch sobald sie erfahren, dass solche Flächen nicht nur gepflegt, sondern so gestaltet werden können, dass auch die Natur davon profitiert, hören die Menschen zu.
Denn jeder versteht: Wenn es dort eine Sitzbank gibt, um die es grünt und blüht, Bienen und Schmetterlinge umherfliegen und vielleicht sogar Johannisbeeren zum Naschen wachsen, dann wird aus einem ordentlichen Platz ein lebendiger Ort des Miteinanders.

Genau das ist in Stradow gelungen. Sandra Malik aus dem Vetschauer Ortsteil hat es geschafft, eine Gemeinschaft für die Verschönerung von Grünflächen in ihrem Dorf zu formen – in dem sie die Beziehungen genutzt hat, die sie hatte. Inzwischen arbeitet die Initiative daran, den Eichenhain – einen beliebten Platz für das Dorfleben – aufzuwerten.

Gibt es Unterschiede zwischen Community Organizing in der Stadt und auf dem Land?

Dass im ländlichen Raum Orte für belanglose Treffen fehlen, macht die Arbeit etwas schwieriger. Sich wie in der großen Stadt einfach mal in einem Café zu treffen, ist in den meisten Dörfern einfach nicht möglich. Letztlich funktioniert Community Organizing auf dem Land dann aber doch genauso wie in der Stadt, ist Charlotte Campbell sicher: „Ich gucke, welche Strukturen und Ansprechpartner vor Ort sind, baue Stück für Stück Beziehungen zu ihnen auf, damit sie mein Thema weitertragen und das Netzwerk erweitern.“

Für den Beziehungsaufbau empfiehlt Charlotte Campbell lange Einzelgespräche mit den potenziellen Projekt-Teilnehmenden. Die sollten sich nicht um das Projekt drehen, sondern um den Menschen. „So erfahre ich mehr über Beweggründe und weiß auch noch in fünf Jahren, warum jemand ein bestimmtes Interesse verfolgt.“ Ziel von Community Organizing ist, dass Beziehungen über Projekte oder Themen hinaus Bestand haben und immer wieder nutzbar sind.

 

Links: 

Von links: Franziska Stölzel (Moderation), Charlotte Campbell (SPREEAKADEMIE) , Sandra Malik (Stradowsphäre)

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